Beruf & Karriere 06.06.2026 · 9 Min. Lesezeit

Insolvenzverwalter Gehalt: Normaler Job oder Millionen-Gehalt?

Max Kuch
Max Kuch
Gründer von InsolvenzverwalterDatenbank

Kaum ein juristischer Beruf umgibt sich beim Thema Geld mit so viel Schweigen wie die Insolvenzverwaltung. Dabei ist die Vergütung gesetzlich geregelt und lässt sich für jedes Verfahren nachrechnen. Diese Analyse zeigt, was angestellte Verwalter verdienen, wie die Vergütung bestellter Verwalter nach der InsVV funktioniert und welche Summen in Großverfahren wie Wirecard oder Lehman Brothers zusammenkommen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Angestellte Juristen in der Insolvenzverwaltung verdienen laut Gehaltsportalen meist zwischen rund 50.000 und 120.000 Euro brutto im Jahr, erfahrene angestellte Verwalter auch mehr.
  • Gerichtlich bestellte Verwalter erhalten kein Gehalt, sondern eine Vergütung pro Verfahren nach der InsVV: degressive Staffel auf die Insolvenzmasse, von 40 Prozent der ersten 35.000 Euro bis 0,2 Prozent über 700 Millionen Euro.
  • Eine GmbH-Insolvenz mit 100.000 Euro Masse bringt rund 25.350 Euro Regelvergütung, Zuschläge für Betriebsfortführung oder Anfechtungen können das Mehrfache ergeben.
  • Im Lehman-Verfahren forderte Verwalter Michael Frege bis zu 800 Millionen Euro Vergütung, das wohl lukrativste Insolvenzverfahren Deutschlands.
  • Die Vergütung wird aus der Insolvenzmasse bezahlt, wirtschaftlich tragen sie also die Gläubiger.

Zwei Welten: Angestellt oder selbst bestellt

Wer über das Gehalt von Insolvenzverwaltern spricht, muss zwei sehr unterschiedliche Situationen auseinanderhalten:

  • Angestellte Juristen in der Insolvenzverwaltung: Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, die in einer Verwalterkanzlei arbeiten und Verfahren für die bestellten Verwalter bearbeiten. Sie beziehen ein klassisches Gehalt.
  • Selbständige, vom Gericht bestellte Verwalter: Sie werden vom Insolvenzgericht persönlich bestellt und erhalten kein Gehalt, sondern eine gesetzlich geregelte Vergütung pro Verfahren. Diese richtet sich nach der Insolvenzrechtlichen Vergütungsverordnung (InsVV).1

Die meisten Berufseinsteiger starten als Angestellte und arbeiten sich über Jahre zur eigenen Bestellung hoch. Erst die eigene Bestellung macht den Beruf wirtschaftlich richtig interessant. Wie dieser Weg konkret aussieht, beschreibt unser Artikel Wie wird man Insolvenzverwalter?

Gehalt als angestellter Insolvenzverwalter

Für angestellte Juristen in Verwalterkanzleien weisen Gehaltsportale in der Regel folgende Größenordnungen aus:234

KarrierestufeJahresbruttogehalt (Größenordnung)
Berufseinstieg (Associate, Insolvenzsachbearbeitung)ca. 50.000 bis 70.000 €
3 bis 6 Jahre Erfahrungca. 70.000 bis 100.000 €
Erfahrene angestellte Verwalter, Counselca. 100.000 bis 150.000 €
Partner mit eigenen Bestellungendeutlich darüber, abhängig vom Verfahrensaufkommen

Die Spannen hängen stark von Kanzleigröße, Region und Spezialisierung ab. Große überregionale Verwalterkanzleien zahlen tendenziell mehr als kleine Einheiten, verlangen dafür aber auch Prädikatsexamina und Reisebereitschaft, denn Verfahren werden dort bearbeitet, wo das Insolvenzgericht sitzt.

Die Vergütung nach InsVV: So rechnet der bestellte Verwalter ab

Der gerichtlich bestellte Insolvenzverwalter erhält seine Vergütung nicht vom Schuldner und nicht vom Gläubiger, sondern aus der Insolvenzmasse. Die Höhe regelt die Insolvenzrechtliche Vergütungsverordnung.1 Berechnungsgrundlage ist der Wert der Insolvenzmasse zum Zeitpunkt der Schlussrechnung.

Seit der Reform zum 1. Januar 2021 gilt nach § 2 Abs. 1 InsVV folgende Staffel:1

Anteil der InsolvenzmasseRegelsatz
Die ersten 35.000 €40 %
Mehrbetrag bis 70.000 €26 %
Mehrbetrag bis 350.000 €7,5 %
Mehrbetrag bis 700.000 €3,3 %
Mehrbetrag bis 35 Mio. €2,2 %
Mehrbetrag bis 70 Mio. €1,1 %
Mehrbetrag bis 350 Mio. €0,5 %
Mehrbetrag bis 700 Mio. €0,4 %
Mehrbetrag über 700 Mio. €0,2 %

Die Staffel ist degressiv: Je größer die Masse, desto kleiner der Prozentsatz auf den jeweils nächsten Abschnitt. Für kleine Verfahren gibt es eine Mindestvergütung von 1.400 Euro (bei bis zu zehn Gläubigern), die mit der Gläubigerzahl steigt.1 Hinzu kommen Auslagen und Umsatzsteuer. Der vorläufige Insolvenzverwalter im Eröffnungsverfahren erhält in der Regel 25 Prozent der Vergütung des endgültigen Verwalters.5 Wer die Vergütung für ein konkretes Verfahren durchrechnen will: Unser Artikel Was kostet ein Insolvenzverwalter? enthält einen interaktiven InsVV-Rechner.

Drei Rechenbeispiele

So sieht die Regelvergütung (ohne Zu- und Abschläge, Auslagen und Umsatzsteuer) in typischen Konstellationen aus:

VerfahrenInsolvenzmasseRegelvergütung
Kleine Verbraucherinsolvenz10.000 €4.000 €
Insolvente GmbH, kleiner Betrieb100.000 €25.350 €
Mittelständisches Unternehmen1.000.000 €62.250 €

Zur Einordnung der mittleren Zeile: 40 % der ersten 35.000 € ergeben 14.000 €, 26 % der nächsten 35.000 € weitere 9.100 € und 7,5 % der verbleibenden 30.000 € noch einmal 2.250 €. Zusammen sind das 25.350 €.

Zu- und Abschläge: Der große Hebel

Die Regelvergütung ist nur der Ausgangspunkt. Nach § 3 InsVV kann das Gericht Zuschläge gewähren, etwa wenn der Verwalter ein Unternehmen im laufenden Betrieb fortführt, viele Arbeitsverhältnisse abwickelt, Insolvenzanfechtungen durchsetzt oder mit Auslandsbezug arbeitet.1 In komplexen Verfahren summieren sich die Zuschläge häufig auf ein Mehrfaches der Regelvergütung. Umgekehrt gibt es Abschläge für besonders einfache Verfahren, etwa wenn die Masse im Wesentlichen aus einem Bankguthaben besteht.

Brutto ist nicht netto: Was vom Verfahren übrig bleibt

Die InsVV-Vergütung ist kein persönliches Gehalt, sondern der Umsatz eines kleinen Betriebs. Davon bezahlt der Verwalter sein Team aus Juristen, Insolvenzsachbearbeitern und Buchhaltern, Büro und IT, Versicherungen und die Phasen, in denen Verfahren Arbeit verursachen, aber noch keine Vergütung fließt. Zwischen Verfahrenseröffnung und Schlussrechnung können Jahre liegen. Wer die Einkommen von Insolvenzverwaltern realistisch einschätzen will, muss diese Vorlaufkosten mitdenken.

Entscheidend ist deshalb weniger das einzelne Verfahren als der Verfahrensbestand: Wie viele Bestellungen erhält ein Verwalter pro Jahr, und welche Größenordnung haben sie? Genau diese Daten erfassen wir in der InsolvenzverwalterDatenbank.9 Dort sehen Sie für jeden deutschen Insolvenzverwalter, wie viele Verfahren er betreut und für welche Kanzlei er tätig ist.

Spitzenverdiener: Was Großverfahren einbringen

Nach oben ist die Skala offen. Schon vor Jahren rechnete die Wirtschaftspresse vor, wie Anwälte an Firmenpleiten Millionen verdienen.6 Im Wirecard-Verfahren, einer der größten Pleiten der deutschen Wirtschaftsgeschichte, erzielte Insolvenzverwalter Michael Jaffé durch den Verkauf des Kerngeschäfts und der Auslandstöchter Erlöse im hohen dreistelligen Millionenbereich für die Insolvenzmassen, die Basis seiner Vergütung.7

Das Verfahren um das deutsche Lehman-Brothers-Bankhaus gilt als das wohl lukrativste Insolvenzverfahren Deutschlands: Verwalter Michael Frege machte eine Vergütung von bis zu 800 Millionen Euro geltend, 70 Millionen Euro Vorschuss hatte das Gericht bereits bewilligt. Hinter der Summe stand allerdings ein Apparat von rund 100 Juristen und Insolvenzexperten, die das Verfahren über Jahre abwickelten.8

Solche Verfahren sind die absolute Ausnahme. Sie zeigen aber, warum die Bestellpraxis der Insolvenzgerichte so umkämpft ist: Wenige große Verfahren entscheiden über die Wirtschaftlichkeit einer ganzen Kanzlei.

Wer bezahlt den Insolvenzverwalter?

Die Vergütung wird vom Insolvenzgericht festgesetzt und aus der Insolvenzmasse entnommen. Wirtschaftlich tragen sie also die Gläubiger, deren Quote sich entsprechend verringert. Reicht das Vermögen nicht einmal für die Verfahrenskosten, wird das Verfahren mangels Masse gar nicht erst eröffnet. Bei Verbraucherinsolvenzen kann die Staatskasse die Kosten über die Verfahrenskostenstundung vorstrecken, damit auch mittellose Schuldner ein Verfahren durchlaufen können.

Fazit

Der Beruf des Insolvenzverwalters gehört zu den wirtschaftlich attraktivsten juristischen Laufbahnen, aber der Weg dorthin ist lang. Als Angestellter sind sechsstellige Gehälter erreichbar, das große Einkommen entsteht jedoch erst mit eigenen Bestellungen und einem stabilen Verfahrensbestand. Und der hängt von einem einzigen Faktor ab: dem Vertrauen der Insolvenzgerichte.

Häufige Fragen

Was verdient ein Insolvenzverwalter im Monat?

Bei angestellten Verwaltern entspricht das je nach Stufe etwa 4.500 bis 12.500 Euro brutto im Monat. Bei selbständigen Verwaltern schwankt das Einkommen mit den abgeschlossenen Verfahren stark und lässt sich seriös nur über das Jahr betrachten.

Ist die Vergütung verhandelbar?

Nein. Sie ist in der InsVV gesetzlich geregelt und wird vom Insolvenzgericht festgesetzt.1 Spielraum gibt es nur bei den begründungspflichtigen Zu- und Abschlägen.

Verdient der Verwalter auch bei einer Privatinsolvenz?

Ja, allerdings wenig: In kleinen Verbraucherverfahren greift häufig die Mindestvergütung von 1.400 Euro. Solche Verfahren rechnen sich für Kanzleien nur in großer Zahl und mit hoher Standardisierung.

Wie viele Verfahren betreut ein Insolvenzverwalter?

Das variiert enorm, von einer Handvoll Großverfahren bis zu hunderten Verbraucherinsolvenzen pro Jahr. Die Verfahrenszahlen einzelner Verwalter können Sie in unserer Datenbank aller deutschen Insolvenzverwalter nachschlagen.9

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Quellen

  1. 1 Gesetze im Internet (InsVV) (gesetze-im-internet.de)
  2. 2 Stepstone (stepstone.de)
  3. 3 gehalt.de (gehalt.de)
  4. 4 TalentRocket (talentrocket.de)
  5. 5 Wikipedia (de.wikipedia.org)
  6. 6 Welt (welt.de)
  7. 7 JAFFÉ Rechtsanwälte (jaffe-rae.de)
  8. 8 WirtschaftsWoche (wiwo.de)
  9. 9 InsolvenzverwalterDatenbank (insolvenzverwalterdatenbank.de)
Max Kuch
Max Kuch
Gründer von InsolvenzverwalterDatenbank

Max Kuch ist studierter Ökonom und Digitalunternehmer. Über mehrere Projekte im Bereich Insolvenzen wertet er täglich die amtlichen Insolvenzbekanntmachungen aus und beobachtet die Bestellpraxis der deutschen Insolvenzgerichte. Mit der InsolvenzverwalterDatenbank macht er sichtbar, welche Verwalter und Kanzleien welche Verfahren betreuen. Seine Auswertungen verbinden offizielle Statistiken mit tagesaktuellen Daten direkt aus den Insolvenzgerichten und machen Entwicklungen sichtbar, oft lange bevor sie in der öffentlichen Statistik auftauchen.

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