Statistik 06.06.2026 · 9 Min. Lesezeit

Insolvenzen in Deutschland: 20 beunruhigende Statistiken (2026)

Max Kuch
Max Kuch
Gründer von InsolvenzverwalterDatenbank

Wie viele Insolvenzen gibt es in Deutschland, wen trifft es und wohin geht der Trend? Diese Statistiksammlung bündelt die wichtigsten Zahlen aus amtlicher Statistik, Forschungsinstituten und Wirtschaftsauskunfteien, jeweils mit direkter Quellenangabe. Jeder Punkt ist einzeln zitierfähig.

Das Wichtigste in Kürze
  • 2025 zählte das Statistische Bundesamt 24.064 Unternehmensinsolvenzen (+10,3 Prozent), den höchsten Stand seit 2014, dazu 77.219 Verbraucherinsolvenzen.
  • Die Gläubigerforderungen aus Unternehmensinsolvenzen lagen 2025 bei rund 47,9 Milliarden Euro, rund 170.000 bis 285.000 Arbeitsplätze waren betroffen.
  • Am härtesten trifft es Verkehr und Lagerei (133 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen), Gastgewerbe (108) und Bau (104).
  • 471 Großinsolvenzen mit über 10 Millionen Euro Umsatz bedeuten fast eine Verdreifachung seit 2021; für 2026 erwartet Allianz Trade rund 24.500 Unternehmensinsolvenzen.
  • Gläubiger erhalten im Schnitt nur wenige Prozent ihrer Forderungen zurück; bei Verbraucherinsolvenzen lag die Quote zuletzt bei rund 2 Prozent.

Das Gesamtbild 2025/2026

Höchster Stand seit 2014

2025 meldeten die deutschen Amtsgerichte 24.064 beantragte Unternehmensinsolvenzen, ein Plus von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit 2014.1

Drei Anstiegsjahre in Folge

Der Anstieg läuft bereits im dritten Jahr: +22,1 Prozent (2023), +22,4 Prozent (2024), +10,3 Prozent (2025). Die Dynamik verlangsamt sich, der Trend zeigt aber weiter nach oben.2

77.219 Verbraucherinsolvenzen

Auch Privatpersonen trifft es häufiger: 2025 wurden 77.219 Verbraucherinsolvenzen registriert, 8,4 Prozent mehr als 2024 (71.207).3

Über 101.000 Verfahren insgesamt

Unternehmens- und Verbraucherinsolvenzen zusammen ergaben 2025 rund 101.283 neue Insolvenzverfahren, also im Schnitt etwa 277 pro Tag.4

2026 startet auf Rekordniveau

Das erste Quartal 2026 war laut IWH-Insolvenztrend mit 4.573 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften der höchste Quartalswert seit über 20 Jahren; im Mai 2026 lagen die Zahlen 53 Prozent über einem durchschnittlichen Mai der Vor-Corona-Jahre.5

Die wirtschaftlichen Folgen

47,9 Milliarden Euro offene Forderungen

Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus den 2025 gemeldeten Unternehmensinsolvenzen beziffern die Amtsgerichte auf rund 47,9 Milliarden Euro (2024: 58,1 Milliarden).6

Bis zu 285.000 betroffene Arbeitsplätze

2025 waren laut IWH rund 170.000 Arbeitsplätze von Insolvenzen betroffen, davon allein 62.000 im Verarbeitenden Gewerbe; Creditreform kommt mit breiterer Abgrenzung sogar auf etwa 285.000 betroffene Beschäftigte.7

1,6 Milliarden Euro Insolvenzgeld

Die Bundesagentur für Arbeit zahlte 2024 rund 1,6 Milliarden Euro Insolvenzgeld an Beschäftigte insolventer Firmen, nahezu Krisenjahr-2009-Niveau; für 2026 werden bis zu 1,8 Milliarden erwartet.8

Gläubiger verlieren über 96 Prozent

Die nüchternste Zahl der gesamten Statistik: Bei den zuletzt amtlich ausgewerteten, abgeschlossenen Verfahren erhielten Gläubiger im Schnitt nur 3,9 Prozent ihrer Forderungen zurück (Unternehmensinsolvenzen: 6,2 Prozent, Verbraucherinsolvenzen: 2,0 Prozent).9 Warum das oft Jahre dauert, zeigt unser Artikel zur Dauer des Insolvenzverfahrens.

Wen es trifft: Branchen, Länder, Rechtsformen

69 bis 76 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen

Bezogen auf den Unternehmensbestand gab es 2025 rechnerisch 69 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen (destatis); Creditreform weist nach eigener Methodik 76 aus.10

Verkehr und Logistik am stärksten betroffen

Die höchste Insolvenzhäufigkeit hatte 2025 die Branche Verkehr und Lagerei mit 133 Fällen je 10.000 Unternehmen, vor dem Gastgewerbe (108) und dem Baugewerbe (104).11

Stadtstaaten vorn: Bremen mit 97 je 10.000

Im Bundesländervergleich lag Bremen 2025 mit 97 Unternehmensinsolvenzen je 10.000 Unternehmen deutlich über dem Bundesdurchschnitt und gehört damit zu den am stärksten betroffenen Ländern.12

Über 80 Prozent Kleinstunternehmen

Insolvenz ist überwiegend ein Kleinstunternehmens-Phänomen: Firmen mit bis zu zehn Beschäftigten stellten 2025 mit rund 19.500 Fällen 81,6 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen.13

Die GmbH dominiert die Statistik

Knapp zwei Drittel der Insolvenzanträge aktiver Unternehmen entfielen auf die Rechtsform GmbH; ihre Zahl stieg gegenüber dem Vorjahr um 12,8 Prozent.14

Großinsolvenzen und Ausblick

471 Großinsolvenzen: Verdreifachung seit 2021

2025 meldeten 471 Unternehmen mit mehr als 10 Millionen Euro Jahresumsatz Insolvenz an, rund ein Viertel mehr als 2024 und fast dreimal so viele wie 2021 (163). Am stärksten betroffen: Metallwarenhersteller, Automobilzulieferer und Elektrotechnik.15

Nur jedes dritte Großverfahren endet mit Rettung

Die Rettungsquote bei Großinsolvenzen sank im ersten Halbjahr 2025 auf 33,1 Prozent (Vorjahr: 34,9 Prozent), bei 201 Großverfahren allein im Halbjahr.16 Das wichtigste Sanierungsinstrument dabei ist die Eigenverwaltung.

Prognose 2026: rund 24.500 Unternehmensinsolvenzen

Allianz Trade erwartet für 2026 etwa 24.500 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland (+1 Prozent) und damit den höchsten Stand seit über zehn Jahren.17

Westeuropa als globaler Insolvenz-Hotspot

Weltweit führt Westeuropa die Insolvenzstatistik mit rund 1,1 Millionen Fällen an, vor Nordamerika mit etwa 450.000, ein Zehn-Jahres-Hoch.18

Historische Einordnung: weit unter dem 2009er Rekord

Zur Einordnung: Den Höchststand markierte das Finanzkrisenjahr 2009 mit 32.687 Unternehmensinsolvenzen; den (künstlichen) Tiefststand das Jahr 2021 mit unter 14.000 Fällen, gedrückt durch ausgesetzte Antragspflichten und Staatshilfen.19

Die Abwickler: Daten aus unserer Datenbank

2.502 Verwalter wickeln das alles ab

Hinter jeder dieser Zahlen steht ein Insolvenzverwalter. Unsere Auswertung der amtlichen Insolvenzbekanntmachungen zählt aktuell 2.502 Insolvenzverwalter mit mindestens einem Verfahren, verteilt auf rund 1.450 Kanzleien, bei insgesamt über 101.000 erfassten Verfahren. Wer die meisten Verfahren betreut, zeigt unsere Datenbank aller deutschen Insolvenzverwalter; alle Zahlen zum Berufsstand bündelt der Artikel Wie viele Insolvenzverwalter gibt es in Deutschland?20

Hinweis zur Methodik: destatis zählt beantragte Verfahren der Amtsgerichte, Creditreform und IWH arbeiten mit eigenen Abgrenzungen, weshalb die Werte leicht voneinander abweichen. Jede Statistik in diesem Beitrag nennt ihre Quelle direkt am Punkt; die vollständigen Belege stehen im Quellenverzeichnis am Ende.

Häufige Fragen

Wie viele Unternehmensinsolvenzen gab es 2025 in Deutschland?

Das Statistische Bundesamt zählte 2025 rund 24.064 Unternehmensinsolvenzen, ein Plus von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit 2014.1 Dazu kamen 77.219 Verbraucherinsolvenzen.

Welche Branchen sind am stärksten von Insolvenzen betroffen?

Gemessen an den Insolvenzen je 10.000 Unternehmen trifft es Verkehr und Lagerei am härtesten mit 133 Fällen, gefolgt vom Gastgewerbe mit 108 und dem Baugewerbe mit 104.11

Wie hoch sind die Forderungen aus Unternehmensinsolvenzen?

Die Gläubigerforderungen aus Unternehmensinsolvenzen lagen 2025 bei rund 47,9 Milliarden Euro. Betroffen waren je nach Zählweise etwa 170.000 bis 285.000 Arbeitsplätze.8

Wie viele Insolvenzen werden für 2026 erwartet?

Allianz Trade rechnet für 2026 mit rund 24.500 Unternehmensinsolvenzen. Die Zahl der Großinsolvenzen mit über 10 Millionen Euro Umsatz hat sich mit 471 Fällen seit 2021 fast verdreifacht.17

Wie viel bekommen Gläubiger im Schnitt zurück?

Nur wenige Prozent ihrer Forderungen. Bei Verbraucherinsolvenzen lag die durchschnittliche Deckungsquote zuletzt bei rund 2 Prozent. Wer die Verfahren abwickelt, zeigt unsere Datenbank aller deutschen Insolvenzverwalter.

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Quellen

  1. 1 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
  2. 2 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
  3. 3 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
  4. 4 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
  5. 5 IWH Halle (iwh-halle.de)
  6. 6 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
  7. 7 IWH Halle (iwh-halle.de)
  8. 8 BIAJ / Bundesagentur für Arbeit (biaj.de)
  9. 9 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
  10. 10 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
  11. 11 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
  12. 12 Creditreform (creditreform.de)
  13. 13 Creditreform (creditreform.de)
  14. 14 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
  15. 15 FalkenSteg (falkensteg.com)
  16. 16 FalkenSteg (falkensteg.com)
  17. 17 Allianz Trade (allianz-trade.de)
  18. 18 Allianz Research (allianz.com)
  19. 19 Statistisches Bundesamt (destatis.de)
  20. 20 InsolvenzverwalterDatenbank (insolvenzverwalterdatenbank.de)
Max Kuch
Max Kuch
Gründer von InsolvenzverwalterDatenbank

Max Kuch ist studierter Ökonom und Digitalunternehmer. Über mehrere Projekte im Bereich Insolvenzen wertet er täglich die amtlichen Insolvenzbekanntmachungen aus und beobachtet die Bestellpraxis der deutschen Insolvenzgerichte. Mit der InsolvenzverwalterDatenbank macht er sichtbar, welche Verwalter und Kanzleien welche Verfahren betreuen. Seine Auswertungen verbinden offizielle Statistiken mit tagesaktuellen Daten direkt aus den Insolvenzgerichten und machen Entwicklungen sichtbar, oft lange bevor sie in der öffentlichen Statistik auftauchen.

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